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Ubuntu 26.04 LTS „Resolute Raccoon“ – Die Linux-Distribution, auf die es ankommt

Ubuntu ist für viele Menschen der Einstieg in die Welt Linux – und das aus gutem Grund. Mit regelmäßigen Releases, einer riesigen Community und dem Rückhalt des Unternehmens Canonical Ltd. hat sich Ubuntu seit 2004 zur meistgenutzten Linux-Distribution für Desktop und Server entwickelt. Mit der neuen Version 26.04 LTS „Resolute Raccoon“ legt Canonical im April 2026 eine der bedeutendsten Langzeitversionen der letzten Jahre vor. Warum – und was drin steckt – erkläre ich hier ausführlich.

Was ist Ubuntu überhaupt?

Ubuntu basiert auf Debian, einer der ältesten und stabilsten Linux-Distributionen überhaupt. Der Name stammt aus dem Zulu und bedeutet sinngemäß: „Ich bin, weil wir sind.“ Dieser Gedanke des Gemeinschaftlichen zieht sich auch durch das Projekt selbst: Ubuntu ist kostenlos, quelloffen und wird weltweit von einer aktiven Entwickler-Community mitgestaltet.

Herausgeber ist Canonical Ltd., ein Unternehmen mit Sitz auf der Isle of Man, das 2004 von Mark Shuttleworth gegründet wurde. Canonical sorgt für die regelmäßigen Releases, koordiniert die Entwicklung und verdient Geld unter anderem mit Support-Verträgen, Cloud-Diensten und dem Unternehmensabo Ubuntu Pro.

Ubuntu erscheint zweimal jährlich: im April und im Oktober. Alle zwei Jahre gibt es eine sogenannte LTS-Version (Long Term Support), die besonders intensiv getestet wird und deutlich länger mit Updates versorgt wird als die Zwischenversionen. Das macht LTS-Releases zur ersten Wahl für Produktivsysteme, Server und Unternehmensumgebungen.

Ubuntu 26.04 LTS „Resolute Raccoon“

Ubuntu 26.04 LTS wurde am 23. April 2026 offiziell veröffentlicht und trägt den Codenamen „Resolute Raccoon“ – der Waschbär mit Entschlossenheit. Der Codename wurde von Steve Langasek gewählt, einem früheren Debian- und Ubuntu-Release-Manager, der Anfang 2025 verstorben ist. Der Name „Resolute“ steht für Entschlossenheit und unerschütterliches Engagement – passende Eigenschaften für eine LTS-Version, auf die Millionen von Nutzern jahrelang vertrauen werden.

Als LTS-Release erhält Ubuntu 26.04 fünf Jahre kostenlose Sicherheits-Updates sowie bis zu 15 Jahre Support mit Ubuntu Pro. Ubuntu Pro ist für Privatnutzer auf bis zu fünf Geräten kostenlos.

Diese Version setzt auf drei Kernthemen: Sicherheit, Modernisierung und Verlässlichkeit. Was das konkret bedeutet, sehen wir uns jetzt Schritt für Schritt an.

Linux Kernel 7.0

Ubuntu 26.04 LTS sollte ursprünglich mit Kernel 6.20 erscheinen, wurde jedoch auf Version 7.0 angehoben, um mit Upstream-Kernel-Änderungen gleichzuziehen. Jenseits der Versionsnummer selbst liefert der neue Kernel erhebliche Verbesserungen bei der Hardware- und Treiberunterstützung, mit besserer Abdeckung für aktuelle CPUs und GPUs. Energieverwaltung und Scheduler-Leistung wurden verbessert. Mehrere Sicherheitskomponenten wurden ebenfalls aktualisiert.

Für Nutzer bedeutet das: Neuere Hardware läuft in der Regel out-of-the-box besser, und das System reagiert insgesamt schneller und effizienter – auch unter Last.

GNOME 50 – Der Desktop der neuen Generation

Die Desktop-Umgebung GNOME 50 ist eines der sichtbarsten Highlights von Ubuntu 26.04. Ubuntu 26.04 LTS liefert GNOME 50 aus, das die GNOME-on-X11-Sitzung entfernt. Der GNOME-Desktop läuft jetzt ausschließlich auf Wayland, während XWayland für Legacy-X11-Anwendungen weiterhin verfügbar bleibt.

Was bedeutet das in der Praxis? Wayland ist das modernere Display-Protokoll, das sicherer und performanter ist als das veraltete X11. Wer noch ältere Software nutzt, die X11 voraussetzt, muss sich keine Sorgen machen – XWayland übernimmt die Kompatibilitätsschicht nahtlos im Hintergrund.

Neue GNOME-50-Funktionen umfassen verbesserte Bruchzahl-Skalierung (Fractional Scaling), die Verwaltung von Autostart-Apps in den Einstellungen, Hardware-Beschleunigung für Remote-Desktop (Vulkan und VAAPI), verbesserte Unterstützung für Variable Refresh Rate (VRR), die überarbeitete Barrierefreiheitslösung Orca mit einer neuen Option für reduzierte Bewegungseffekte sowie Kindersicherung mit Bildschirmzeitlimits.

Außerdem wurde das Yaru-Theme – Ubuntus Hausdesign – aufgefrischt und wirkt moderner und klarer als zuvor.

Das neue sudo – jetzt in Rust

Eine der technisch interessantesten Neuerungen ist der Austausch des altbekannten sudo-Kommandos durch eine in Rust geschriebene Alternative namens sudo-rs.

Warum Rust? Die Programmiersprache Rust wurde bewusst so entwickelt, dass ganze Klassen von Speicherfehlern – wie Buffer Overflows oder Use-after-free-Bugs – bereits beim Kompilieren verhindert werden. Das erhöht die Sicherheit erheblich.

sudo-rs (Version 0.2.12) ist als Standard über das Alternatives-System konfiguriert. Das traditionelle sudo-Paket bleibt als Fallback (sudo.ws) installiert.

Eine nette Kleinigkeit für alle, die schon mal beim Eintippen ihres sudo-Passworts verwirrt waren: sudo-rs zeigt beim Eintippen des sudo-Passworts standardmäßig Sternchen an – konsistent mit modernen Passwortabfragen. Wer die klassische, lautlose Eingabe bevorzugt, kann dies über visudo mit Defaults !pwfeedback zurücksetzen.

Neben sudo-rs werden auch die klassischen GNU Coreutils (die Grundwerkzeuge wie ls, cp, mv) durch die Rust-Implementierung uutils/coreutils ersetzt. Die GNU-Varianten bleiben weiterhin installierbar – der Wechsel passiert aber im Hintergrund, für die meisten Nutzer völlig unmerklich.

Das Snap-Ökosystem – reifer und schneller

Canonical setzt seit Jahren auf Snap als eigenes Paketformat – neben dem klassischen .deb. Snap-Pakete bringen alle Abhängigkeiten mit, laufen in einer Sandbox und aktualisieren sich automatisch. Das klingt gut in der Theorie; in der Praxis gab es lange Kritik wegen langsamerer Startzeiten und eines hohen Speicherbedarfs.

Ubuntu 26.04 bringt spürbare Verbesserungen:

Canonical hat mit Ubuntu 26.04 die Handhabung von Snap-Paketen verfeinert und dabei auf Performance und Nutzerfreundlichkeit gesetzt. Dazu gehören: Automatische Updates für Canonical-Snaps, schnellere Startzeiten, besseres Sandboxing mit verbesserten Berechtigungskontrollen, verbesserte Desktop-Integration sowie ein reduzierter Speicherbedarf durch bessere Komprimierung und Deduplizierung.

Hinzu kommt: Der Prompting Client wird standardmäßig aktiviert und stellt ein granulares Berechtigungsframework bereit, das Nutzer informiert, wenn Snap-Anwendungen versuchen, auf eingeschränkte Ressourcen wie Hardware oder Dateisystempfade zuzugreifen. Das macht Snap-Apps deutlich transparenter – ähnlich wie Berechtigungsabfragen auf dem Smartphone.

Der App Center wird zur zentralen Anlaufstelle für alle Softwareinstallationen, unabhängig vom Paketformat. DEB-Pakete lassen sich nun vollständig über den App Center verwalten.

Sicherheit: TPM, Post-Quanten-Kryptografie und mehr

Ubuntu 26.04 setzt auch beim Thema Sicherheit neue Maßstäbe:

TPM-gestützte Vollverschlüsselung: Die TPM-gestützte Festplattenverschlüsselung (FDE) erreicht General Availability mit neuen Funktionen, darunter die Möglichkeit, eine PIN oder Passphrase nach der Installation hinzuzufügen oder zu entfernen und Festplatten direkt über das neue Security Center neu zu verschlüsseln.

Post-Quanten-Kryptografie: Aktualisierte OpenSSH- und OpenSSL-Pakete nutzen standardmäßig hybride Post-Quanten-Algorithmen (X25519+ML-KEM für TLS, mlkem768x25519-sha256 für SSH) und bieten damit Quantenresistenz bei gleichzeitiger Rückwärtskompatibilität.

Systemvoraussetzungen

Ubuntu 26.04 LTS Desktop

Laut offiziellen Spezifikationen benötigt Ubuntu Desktop 26.04 LTS einen Dual-Core-Prozessor mit mindestens 2 GHz, 6 GB RAM und 25 GB freien Speicherplatz. Das ist das erste Mal seit 2019, dass Canonical die Mindest-RAM-Anforderung um 2 GB angehoben hat.

Wer ein älteres Gerät mit 4 GB RAM hat: Ubuntu 26.04 LTS lässt sich auch auf Geräten mit weniger als 6 GB RAM installieren. Die Erfahrung ist dann möglicherweise nicht so flüssig wie von den Entwicklern beabsichtigt. In solchen Fällen empfehlen sich leichtgewichtige Flavors wie Lubuntu oder Xubuntu (dazu gleich mehr).

Empfohlene Konfiguration für komfortables Arbeiten:

Ubuntu 26.04 LTS Server

Ubuntu Server kann dank Verzicht auf eine Benutzeroberfläche wie Gnome auf Systemen mit etwa 1–1,5 GB RAM betrieben werden, abhängig vom Verwendungszweck. Das macht ihn ideal für schlanke VMs, Heimserver oder Edge-Deployments.

Empfohlene Server-Konfiguration (Produktiv):

Für Datenbankserver, Virtualisierungs-Hosts (Proxmox, KVM) oder Docker-Umgebungen sollten es entsprechend mehr Ressourcen sein.

Die wichtigsten Ubuntu-Flavors

Ubuntu ist nicht gleich Ubuntu. Neben der offiziellen Version mit GNOME gibt es zahlreiche Flavors – offizielle Varianten mit alternativen Desktop-Umgebungen. Alle folgenden Flavors haben für Ubuntu 26.04 LTS-Status erhalten.

Kubuntu – KDE Plasma

Die beliebteste Alternative für alle, die mehr Anpassbarkeit mögen. KDE Plasma ist eine der mächtigsten Desktop-Umgebungen im Linux-Universum: hochgradig konfigurierbar, schick und dennoch ressourcenschonend. Wer aus der Windows-Welt kommt, findet sich hier oft schnell zurecht.

Xubuntu – Xfce

Xfce ist leichtgewichtig, schnell und stabil. Xubuntu ist eine ausgezeichnete Wahl für ältere Hardware oder für Nutzer, die einen schlanken, aufgeräumten Desktop bevorzugen. Empfehlenswert für Systeme ab 2 GB RAM.

Lubuntu – LXQt

Noch schlanker als Xubuntu: Lubuntu 26.04 erscheint mit der aktuellen LXQt 2.3-Desktop-Umgebung. Lubuntu ist die erste Wahl, wenn es darum geht, Hardware mit sehr wenig RAM (ab 1 GB möglich) wiederzubeleben – zum Beispiel alte Netbooks oder Büro-PCs von vor 2015.

Ubuntu Budgie

Ubuntu Budgie kommt mit Budgie Desktop 10.10.2 und ist nun vollständig auf Wayland umgestellt, wobei der labwc-Compositor zum Einsatz kommt. VLC ist der neue Standard-Mediaplayer, Crystal Dock das Standard-Panel. Ein eleganter, moderner Desktop mit klarer Linienführung.

Ubuntu Cinnamon

Für alle, die den klassischen, Windows-ähnlichen Desktop-Stil mögen, ohne auf Linux-Komfort zu verzichten. Die Cinnamon-Oberfläche ist von Linux Mint bekannt und punktet durch Intuitivität.

Ubuntu Studio

Ubuntu Studio richtet sich an Multimedia-Enthusiasten und nutzt einen mit niedrigem Latenz gepatchten Kernel. Es eignet sich hervorragend für Audio-Produktion, Video-Editing und Grafikarbeit und bringt eine umfangreiche Vorauswahl an Kreativ-Software mit.

Edubuntu

Edubuntu 26.04 enthält einen komplett neu geschriebenen Installer und ein Admin-Menü mit zwei Backends (GTK4 und Qt6) sowie das Cockpit-Web-Interface-Modul. Perfekt für Schulen und Bildungseinrichtungen.

Ubuntu Kylin

Die offizielle Ubuntu-Variante für den chinesischen Markt, mit speziell angepassten Oberflächen und lokalisierten Anwendungen.

Weitere bemerkenswerte Neuerungen auf einen Blick

Upgrade-Hinweis: Wer kann updaten?

Ubuntu 26.04.1, das erste Point-Release, ist für den 6. August 2026 geplant – das ist der übliche Zeitpunkt, ab dem Canonical direkte Upgrades von der vorherigen LTS-Version (24.04) aktiviert.

Wichtig für Administratoren: Ubuntu 26.04 erfordert cgroup v2. Installationen, die noch cgroup v1 verwenden, können nicht auf 26.04 aktualisiert werden. Prüfe die Kompatibilität mit mount | grep cgroup – ein kompatibles System zeigt cgroup2.

Meine persönliche Empfehlung

Als IT-Dienstleister, der täglich mit verschiedenen Linux-Distributionen arbeitet, habe ich über die Jahre viele getestet – von Arch über Fedora bis hin zu Debian. Und ich komme immer wieder zu Ubuntu zurück.

Warum? Weil Ubuntu bei mir einfach läuft. Auf meinem Laptop, auf virtuellen Maschinen, auf meinem Server – überall problemlos und ohne stundenlange Konfigurationsorgien. Das mag für erfahrene Linux-Nutzer banal klingen, ist aber für Einsteiger und für professionelle Umgebungen ein entscheidender Vorteil.

Ubuntu bietet die beste Balance aus Aktualität, Stabilität und Kompatibilität. Die riesige Community bedeutet: Wann immer ein Problem auftaucht, hat es jemand anderes schon gelöst und die Lösung online gestellt. Gerade für Kunden, die ich zu Linux migriere, ist das ein starkes Argument.

Für Desktop-Einsteiger empfehle ich Ubuntu 26.04 LTS – oder Lubuntu/Xubuntu auf älterer Hardware. Für Server setze ich standardmäßig auf Ubuntu Server LTS, kombiniert mit langen Support-Zeiträumen und der Möglichkeit, über Ubuntu Pro weitere Jahre abzusichern.

Ubuntu ist Open Source, kostenlos und – in meiner Erfahrung – das zuverlässigste Betriebssystem für den täglichen Einsatz. Das ist kein Marketing-Versprechen, sondern meine gelebte Praxis.

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